Freitag, 21 Juli 2017 07:18

Aachen: Maurice Tebbel gewinnt mit deutschem Team den Nationenpreis

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Ehning, Tebbel und Weishaupt liefern Doppel-Nullrunden

Das deutsche Springreiter-Team hat zum zweiten Mal in Folge den Nationenpreis beim CHIO Aachen gewonnen. Bundestrainer Otto Becker hatte Marcus Ehning mit Pret a tout, den 23-jährigen Debütanten Maurice Tebbel mit Chacco’s son, Marco Kutscher mit Clenur und Philipp Weishaupt mit LB Convall ins Rennen geschickt. Die Mannschaft lieferte drei Doppel-Nullrunden und siegte somit vor den USA und der Schweiz, die beide mit acht Strafpunkten Platz zwei belegten.

Acht Jahre lang hatten die deutschen Springreiter warten müssen, bis ihnen im vergangenen Jahr wieder einmal der Sieg im heimischen Nationenpreis beim CHIO Aachen gelang. Diesmal ging es deutlich schneller. „Ich bin unglaublich stolz auf das ganze Team, alle haben super geritten. Wir wussten vorher nicht so genau, wo wir stehen, aber das war heute ein grandioser Sieg. Hut ab vor der gesamten Mannschaft“, sagte Otto Becker. In der Tat standen der Chefcoach und Co-Trainer Heinrich-Hermann Engemann nach den Olympischen Spielen 2016 vor der schwierigen Aufgabe, nach dem Rücktritt von Ludger Beerbaum, dem Verkauf von Meredith Michaels-Beerbaums Fibonacci sowie den Ausfällen von Daniel Deußers und Christian Ahlmanns Pferden neue Paare für die Mannschaft zu sichten und aufzubauen. Das ist ihnen offensichtlich gelungen. Eine Mischung aus den routinierten Championatsreitern Marcus Ehning (Borken) und Marco Kutscher (Bad Essen), dem Sieger im Großen Preis von Aachen 2016, Philipp Weishaupt (Riesenbeck), und dem Debütanten im Aachener Nationenpreis, Maurice Tebbel, war das Erfolgsrezept an diesem Abend.

Ehning und sein Fuchs Pret a tout hatten den Auftakt für Deutschland gemacht und lieferten in beiden Umläufen gleich eine Nullrunde ab – genau wie schon beim Sieg im vergangenen Jahr. Gespannt wartete das Aachener Publikum im vollbesetzten Springstadion auf den Auftritt des 23-jährigen Maurice Tebbel und seines Hengstes Chacco’s son. Der Junioren-Europameister von 2012 behielt die Nerven und lieferte ganz cool eine fehlerlose Runde ab. Genauso im zweiten Umlauf. „Ich kann das gar nicht beschreiben oder realisieren. Als ich vor zwei Wochen erfahren habe, dass ich im Nationenpreisteam bin und vor ein paar Tagen dann noch die Nachricht kam, dass ich auch reiten darf, habe ich mich unglaublich gefreut“, berichtete Tebbel. „Mein Pferd Chacco’s son hat heute sehr für mich gekämpft und einen super Job gemacht. Wir haben ihn damals als Fohlen gekauft, inzwischen kennen wir uns so gut. Ich hatte zwar gehofft, zwei gute Runden zu drehen, aber mit diesem Ergebnis hätte ich nie gerechnet.“ Selbst der Bundestrainer musste zugeben: „Nach der zweiten Runde von Maurice musste ich kurz inne halten, das war wirklich bewegend. Meine Hochachtung vor dieser Leistung.“

Marco Kutscher und sein Oldenburger Wallach Clenur mussten als drittes Paar ran. Eine Verweigerung am Wassergraben, ein weiterer Abwurf und vier Strafpunkte für Zeitüberschreitung war ihre Bilanz. „Ich habe vor dem Wassergraben nicht so weit ausgeholt, um Zeit zu sparen, das war vielleicht der Fehler. Nach drei Galoppsprüngen war Schluss. Das hat mich überrascht, weil Clenur in diesem Jahr schon sechs, sieben Mal auf Rasenplätzen mit Wassergraben gegangen ist und nie Probleme hatte“, sagte Kutscher. „Der zweite Umlauf lief dann aber deutlich besser. Heute bin ich froh, dass meine Kollegen so gute Ergebnisse geliefert haben. Ich habe es dafür ein bisschen spannender gemacht.“

Tatsächlich gelangen seinen Teamkollegen ausnahmslos Doppel-Nullrunden. Philipp Weishaupt und sein Holsteiner Hengst LB Convall hatten die Entscheidung als letztes Paar für Deutschland in der Hand. Weishaupt, der gebürtige Bayer, der im Stall von Ludger Beerbaum tätig ist, feierte heute auch noch seinen 32. Geburtstag. „Aachen liegt mir offenbar. Es ist ein geiles Gefühl hier vor vollem Haus für Deutschland zu reiten“, schwärmte Weishaupt, der sich vor wenigen Wochen noch einer Blinddarm-Operation während eines Turniers in Kanada unterziehen musste.

Der Aachener Nationenpreis diente auch als Sichtung für die Europameisterschaften, die Ende August im schwedischen Göteborg stattfinden. Bis dahin stehen noch weitere Nationenpreise in Hickstead (GBR) und Dublin (IRL) an, nach denen sich die Trainer für ihr EM-Team entscheiden wollen

 

Quelle: fn/press.

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